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Was ist ein Meditationsrückzug (retreat)?

Inhalt eines Meditationsretreats
Ein retreat ist eine Zeit der intensiven inneren Arbeit.
Der Geist ist nicht auf äußeres Geschehen gerichtet, sondern auf das, was in unserem Inneren geschieht. Der Buddha hat diese innere Arbeit bhāvanā ganannt. Bhāvanā bedeutet Entwicklung.
 
Es geht also nicht nur darum zu beobachten, sondern vor allem auch den Geist zu entwickeln.
Buddhistische Meditationsretreats haben den Sinn, unser Dasein auf einer tieferen Ebene zu verstehen und dafür die entsprechenden geistigen Mittel zu entwickeln.
Die Mittel sind Konzentration und Weisheit.
Dazu hat der Buddha zahlreiche Anweisungen gegeben.

Wirkliches Verstehen kann nur entstehen aus heilsamem Bewußtsein heraus, denn unheilsames Bewußtsein ist immer mit der Wurzel Verblendung verbunden. Verblendung verhindert Realität zu sehen und zu verstehen. Der Buddha vergleicht den verblendeten Zustand des Geistes mit einem Himmel voller Wolken. Man kann dann weder Sonne noch Mond sehen. So ist es mit der Verblendung, sie verhindert das Sehen der Dinge, wie sie wirklich sind.

Der gesamte buddhistische Weg zu Freiheit und Glück liegt im immer tieferen Erforschen und Verstehen, was Leben ist. Deshalb ist es Ziel des gesamten buddhistischen Weges unheilsames Denken, Sprechen und Handeln zu erkennen und zu überwinden. Nur dadurch können wir sehen und verstehen, wer wir sind, bzw. nicht sind.
Nur durch heilsames Denken, Sprechen und Handeln können wir glücklich und frei werden. Heilsame Geisteszustände haben angenehme, beglückende Resultate, unheilsame haben unangenehme, leidhafte Resultate.
 
Wir lernen also im retreat, was heilsam und was unheilsam ist, was uns Glück bringt, und was Leid verursacht. Wir haben im retreat die Möglichkeit durch ständiges Gewahrsein, bewußt Heilsames zu entwickeln und auch Unheilsames zu erkennen.
Unheilsames sind all die Verhaltensweisen, welche uns immer wieder Unwohlsein, Schwierigkeiten, Frustrationen usw. bringen. Durch achtsames, akzeptierendes Erkennen dieser Strukturen, die wir seit sehr langen Zeiten immer wieder zugelassen und durch Wiederholung verstärkt haben, können wir sie überwinden und loslassen.
 
Können wir Unheilsames immer mehr Erkennen und Loslassen, und Bemühen uns gleichzeitig, unseren Geist auf ein klares Objekt auszurichten, entwickeln wir starke Konzentration.
Rechte Konzentration entsteht nur durch heilsame Bewußtseinszustände und ist die Ursache für das Entwickeln von Weisheit.
 
Jeder heilsame Bewußtseinsmoment bringt nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung angenehme Resultate in der Zukunft.
So sollten wir im retreat die Zeit wirklich kontinuierlich und intensiv nutzen, um Heilsames zu entwickeln. Auf diese Weise können wir unsere Lebensqualität enorm verbessern. Je mehr Bewußtseinsmomente wir im Heilsamen verweilen, je mehr wird das Heilsame zur Gewohnheit.
Je mehr wir im retreat bewußt üben, je mehr Möglichkeit bekommen wir, weiter zu üben.
Selbst wenn es manchmal schwierig ist, unabgelenkt allein zu sein, sollten wir dieses erkennen und mit der Praxis fortfahren. Es führt zu unserem eigenen Wohlsein, sowie zu Vertrauen und Zufriedenheit.
 
Anleitungen

Es ist sehr nützlich und unterstützend, um diesen Prozess des Entwickelns von Konzentration und Verstehen zu verbessern, wenn wir regelmäßig im retreat Anleitungen bekommen, wie wir das Heilsame entfalten können, und wenn wir mit jemand sprechen können, der/die diesen Weg kennt. Deshalb gibt es im retreat täglich Vorträge über die Budhda-Lehre und Einzelgespräche über unsere persönlichen Erfahrungen. In den Einzelgesprächen wird auch das individuelle Meditationsobjekt diskutiert.

Keine anderen Tätigkeiten
Um diese einmalige Gelegenheit, so intensiv und anhaltend wie möglich nutzen zu können, sollten wir keine anderen Tätigkeiten ausüben.
Es sollte kein Internet benutzt werden,
es sollten keine Telefongespräche geführt werden und
es sollte keine andere Literatur gelesen werden, als die, welche eventuell vom Lehrer empfohlen wird.
Wir sollten das Gelände, auf dem das retreat stattfindet, nicht verlassen.
 
Edles Schweigen
Wir sollten das edle Schweigen üben und es halten, um nicht durch Gespräche uns und andere abzulenken. Das edle Schweigen ist ein wesentlicher Teil des retreats, um diese innere Arbeit zu ermöglichen und, um Konzentration zu entwickeln.
Stille um uns herum, ist sehr unterstützend für das Entwickeln von Konzentration und Weisheit. Deshalb sollten wir uns auch Bemühen, unnötige Geräusche zu vermeiden. Wir treffen uns deshalb für retreats auch an Orten, die wenig Ablenkung und Ruhe bieten.
Sollten jedoch Geräusche um uns herum auftreten, sollten wir sie achtsam betrachten.

Für Konzentration und Verstehen ist es auch hilfreich, wenn wir uns langsam bewegen und alle Tätigkeiten langsam verrichten.

Meditationszeiten

Es gibt im retreat keine Pause der bewußten Wachheit, außer in der Zeit in der wir schlafen. Direkt vom Erwachen am frühen Morgen, bis zum Einschlafen am Abend sollten wir immer bemüht sein, ein klares Objekt der Beobachtung zu haben. Die formellen Übungszeiten der Sitz- und Gehmeditation sind die intensivsten Zeiten, um tiefere Konzentration zu erlangen. Deshalb sollten wir soviel wie möglich formell praktizieren.

Der Tagesablauf im retreat beginnt morgens um 5 Uhr mit dem Aufstehen und endet abends um ± 21.00 - 21.30 Uhr mit dem Schlafengehen.
In der Zeit dazwischen werden Sitz-und Gehmeditation abwechselnd praktiziert. Es finden täglich mehrere Gruppensitzungen von einer Stunde statt. Die Teilnehmer können aber gern länger sitzen, um die Konzentration zu vertiefen.
Mindestens 2 Stunden am Tag sollte Gehmeditation praktiziert werden. Die Zeiten können von den Teilnehmern individuell festgelegt werden.
Die formellen Meditationszeiten werden nur unterbrochen durch Frühstück, Mittagessen und am späten Nachmittag durch Tee- oder Safttrinken.
Nach dem Mittagessen ist es ratsam, eine halbe Stunde zu ruhen, weil der Tag lang ist.
In einigen Zentren werden die Teilnehmer gebeten, eine Stunde am Tag mitzuhelfen bei den täglich anfallenden Arbeiten. Diese Arbeit sollte achtsam als Arbeitsmeditation verrichtet werden.
 
Regeln
Wir sollten uns an die Regeln des retreats halten. Es sind nicht Regeln, welche uns einschränken, sondern es sind Regeln, welche auf Erfahrung beruhen und den Prozess des Entwickelns von Konzentration und Erkenntnis erleichtern.
Es sind auch Regeln, die ein harmonisches Zusammenleben ermöglichen.

Wir sollten uns auch immer bemühen, andere nicht zu stören. Andere zu beobachten und zu bewerten, kann für sensible Menschen schon eine Störung sein. Deshalb sollten wir den Blick gesenkt halten und nicht in der Gegend
herumschauen.

Im retreat nehmen wir die 8 buddhistischen Lebensregeln (Sila) an, da ethisches Verhalten förderlich ist für das Entwickeln von Konzentration. Diese Regeln beinhalten u. a., daß wir nach dem Mittagessen keine feste Nahrung mehr zu uns nehmen. Ausnahmen aus gesundheitlichen Gründen sind natürlich möglich.

Psychische, medizinische Erkrankungen
Ein Meditationsretreat ist keine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung und ersetzt auch keine medizinische Behandlung. Wenn psychische Vorerkrankungen vorhanden sind, sollte mit dem Lehrer und dem Therapeuten abgesprochen werden, ob eine solche intensive Übungszeit sinnvoll oder möglich ist.
Auch wenn eine einschränkende chronische, körperliche Krankheit besteht, sollte mit dem Lehrer abgesprochen werden, ob ein intensives retreat sinnvoll ist. In einem retreat sollte man für sich selbst sorgen können.
 
Allgemeines

Bequeme, unauffällige Kleidung ist unterstützend für die langen Sitzperioden in der Gruppe.

Es sollten nur die Meditationstechniken praktiziert werden, die mit dem Lehrer abgesprochen wurden. Der Vorteil in einer Gruppe an einem retreat teilzunehmen, liegt darin, daß wir uns durch das eigene, disziplinierte Üben gegenseitig unterstützen. Wir sollten diese Gelegenheit schätzen und uns rücksichtsvoll allen Teilnehmern gegenüber verhalten. Alle sollten dem Tagesplan folgen.

Es können während solch einer intensiven Übungszeit sehr erhabene Bewußtseinszustände auftreten, welche weit über unser Alltagsbewußtsein hinausgehen, und uns tiefen Einblick in die Natur unseres Lebens und in Existenz im Allgemeinen vermitteln.

 

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